Ich habe beides gemacht – Option A und Option B – und hier ist, was dir niemand sagt
Ich lebe auf Teneriffa und führe seit einem Jahrzehnt Wanderungen im Teide-Nationalpark durch. Aber ich bin kein Insel-Chauvinist. Letzten Winter habe ich mir drei Wochen frei genommen und bin nach Madeira geflogen, um die andere Seite zu sehen. Ich wollte wissen, ob die grüne Insel wirklich so viel anders ist, wie die Reiseblogs behaupten.
Die kurze Antwort: Ja, sie ist anders – aber nicht unbedingt besser. Es kommt darauf an, was du unter einem Wanderurlaub verstehst.
Auf Teneriffa startete ich um 6:30 Uhr am Teide-Aufstieg mit Genehmigung – einem der begehrtesten Wandererlebnisse Europas. Die 200 täglichen Genehmigungen sind oft Wochen im Voraus ausgebucht. Der Pfad führt durch Vulkangestein, vorbei an Schwefelfumarolen, bis auf 3.715 Meter. Oben stehst du über den Wolken, während die Küste im Dunst liegt. Das ist kein Spaziergang – es ist ein alpines Abenteuer in 12 verschiedenen Mikroklimata an einem einzigen Tag.
Auf Madeira hingegen wanderte ich auf den PR1-Weg zum Pico Ruivo, dem höchsten Punkt der Insel mit 1.861 Metern. Der Weg schlängelt sich durch den UNESCO-Laurissilva-Wald – einen subtropischen Nebelwald, der 20 Prozent der Insel bedeckt. Die Luft riecht nach feuchtem Moos und Eukalyptus. Du läufst buchstäblich durch Wolken, nicht über ihnen. Die levadas – 1.300 Meilen alte Bewässerungskanäle – führen dich entlang steiler Felswände, vorbei an Wasserfällen und durch Tunnel, die in den Fels gehauen wurden.
Beide Inseln sind das ganze Jahr über wanderbar. Aber der entscheidende Unterschied ist das Wetter. Madeiras Nordküste bekommt rund 2.000 Millimeter Regen pro Jahr – fast das Zehnfache von Teneriffas Südküste mit etwa 200 Millimetern. Das bedeutet: Auf Madeira wirst du nass. Auf Teneriffa wirst du höchstwahrscheinlich trocken bleiben – aber du wanderst durch eine Mondlandschaft, nicht durch einen Dschungel.
Produkt 1 – Das Teneriffa-Erlebnis
Wenn du dich für Teneriffa entscheidest, empfehle ich eine geführte Tour, die den Gipfelaufstieg und die Teide-Seilbahn kombiniert. Die Seilbahn bringt dich auf 3.555 Meter – aber ohne Genehmigung darfst du nicht die letzten 160 Meter zum Kraterrand gehen. Ich habe die Teide-Gipfeltour mit Seilbahn gebucht, und der Guide wusste genau, wann die Winde am geringsten sind – die Seilbahn schließt oft bei Böen über 70 km/h. Wir waren um 8:00 Uhr oben, bevor die Massen kamen. Der Blick auf die anderen Kanarischen Inseln im Atlantik war klar, aber ehrlich: Die Kälte bei 3.500 Metern hat mich überrascht. Selbst im Juli kann es dort unten 5 Grad Celsius haben. Zieh dich in Schichten an.
Für wen ist es nicht geeignet? Wenn du Höhenangst hast oder nicht gerne in einer kargen, staubigen Umgebung wanderst. Der Teide ist kein grüner Paradiesgarten – er ist ein Vulkan.
Warum Option A mich fast überzeugt hat
Ich gebe zu: Madeira hat mich emotional mehr berührt. Der Laurissilva-Wald fühlt sich an wie eine Szene aus einem Jurassic-Park-Film. Die levada-Wanderungen sind technisch einfach – meist flach, gut befestigt, und du brauchst keine spezielle Ausrüstung. Ich bin den PR1.2-Weg von Pico do Arieiro zum Pico Ruivo gelaufen, einer der eindrucksvollsten Gratwanderungen Europas. Der Weg führt durch Tunnel, über schmale Brücken und entlang von Abgründen, die dich an deine Trittsicherheit erinnern. Die Aussicht auf die grünen Täler und die tiefblauen Buchten ist visuell überwältigend.
Was mich fast überzeugt hat, war die Vielfalt innerhalb eines einzigen Tages. Auf Madeira kannst du morgens durch den Nebelwald wandern, mittags an einem Wasserfall picknicken und nachmittags an der Südküste bei 25 Grad Celsius baden. Das ist auf Teneriffa auch möglich – aber die Übergänge sind weniger dramatisch. Auf Teneriffa wechselst du von der Küste zur Wüste zum alpinen Gelände. Auf Madeira wechselst du von Grün zu Grün zu Blau.
Aber dann kamen die Regentage. Ich hatte drei Tage hintereinander Dauerregen auf Madeiras Nordküste. Die Wege wurden matschig, die Sicht auf null reduziert, und ich musste meine Wanderungen umplanen. Das passiert auf Teneriffa selten – besonders im Süden, wo die Sonne an 300 Tagen im Jahr scheint.
Produkt 2 – Das Madeira-Erlebnis
Die beste Madeira-Erfahrung, die ich gemacht habe, war eine geführte levada-Wanderung durch den Laurissilva-Wald. Ich buchte eine Levada do Caldeirão Verde Tour, die mich durch Tunnel und an Wasserfällen vorbei führte. Der Guide erklärte, wie die levadas im 16. Jahrhundert gebaut wurden, um Wasser aus den Bergen in die trockeneren Süden zu leiten. Der Weg war flach, aber die Höhe und die Nähe zu den Klippen erforderten Konzentration. Der Höhepunkt war ein 100 Meter hoher Wasserfall, der direkt neben dem Pfad in einen türkisfarbenen Pool stürzte. Ich bin reingesprungen – kalt, aber erfrischend.
Für wen ist es nicht geeignet? Wenn du zuverlässiges Sonnenwetter brauchst oder nicht gerne auf schmalen, rutschigen Pfaden wanderst. Madeira ist nass – und das ist kein Fehler, sondern ein Merkmal.
Der Moment, in dem ich meine Entscheidung getroffen habe
Ich stand auf dem Gipfel des Pico Ruivo, umgeben von Wolken, die sich alle paar Minuten öffneten und den Blick auf die grünen Berge freigaben. Es war still – nur der Wind und das Rauschen eines entfernten Wasserfalls. Ich dachte: Das ist großartig. Aber dann erinnerte ich mich an den Morgen auf dem Teide, als die Sonne aufging und der Schatten des Vulkans sich über den Atlantik legte. Die Luft war so klar, dass ich La Gomera, El Hierro und La Palma sehen konnte. Das Gefühl, auf dem Dach Spaniens zu stehen – über den Wolken, nicht in ihnen – hat mich nie losgelassen.
Meine Entscheidung: Wenn du einen Wanderurlaub suchst, bei dem du durch eine grüne, fast tropische Landschaft läufst und dich auf konstante, aber nasse Bedingungen einlässt, dann wähle Madeira. Wenn du dramatische Höhenunterschiede, vulkanische Einzigartigkeit und zuverlässige Sonne willst, dann komm nach Teneriffa. Ich bin Teneriffa-Spezialist, aber ich respektiere Madeira zutiefst. Es ist kein Wettbewerb – es sind zwei völlig verschiedene Erlebnisse.
Für mich persönlich gewinnt Teneriffa, weil ich die alpine Herausforderung liebe und die Sonne brauche, um meine Touren zu planen. Aber wenn du sagst: „Ich will in einem Urwald wandern, ohne Höhenangst zu haben“, dann ist Madeira deine Insel.
Was ich vor meiner Reise gerne gewusst hätte
- Teide-Genehmigungen: Die 200 täglichen Genehmigungen für den Gipfelaufstieg sind kostenlos, aber du musst sie genau 60 Tage im Voraus online beantragen. Ich habe meinen ersten Antrag verpasst, weil ich dachte, ich könnte einfach so hochlaufen. Falsch. Buche früh oder nimm eine geführte Tour, die die Genehmigung für dich organisiert.
- Seilbahn-Wind: Die Teide-Seilbahn schließt bei starkem Wind, und das passiert häufig – besonders im Winter. Ich checke immer die Teide-Webcam vor der Abfahrt. Wenn die Flaggen flattern, bleib unten.
- Kleidung für Madeira: Ich bin mit normalen Wanderstiefeln und einer Regenjacke nach Madeira gefahren. Nach zwei Tagen Nässe habe ich mir Gummistiefel und eine wasserdichte Hose gekauft. Die levadas sind oft nass und rutschig – wasserdichte Kleidung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.
- Mikroklimata auf Teneriffa: An einem Tag kannst du am Strand in Los Cristianos bei 28 Grad starten, im Anaga-Gebirge bei 18 Grad und Nebel wandern und auf dem Teide bei 5 Grad und Sonne stehen. Ich packe immer einen Rucksack mit vier Schichten – von Shorts bis zur Daunenjacke.
- Madeira-Regen: Die Nordküste bekommt bis zu 2.000 mm Regen pro Jahr. Das ist kein Tippfehler. Plane deine Wanderungen für den Morgen, wenn die Wolken oft noch über den Bergen hängen. Nachmittags kann es aufklaren, aber verlass dich nicht darauf.
- Walbeobachtung auf Teneriffa: Wenn du zwischen Wanderungen einen Tag auf dem Wasser verbringen willst, buche eine Tour, die um 9:00 Uhr ablegt. Die späteren Boote sind überfüllt, und die Wale sind morgens aktiver. Ich empfehle eine kleine Gruppe – nicht die Billigboote mit 50 Passagieren.
Anreise & Kosten, was du wirklich bezahlst
Die Flüge nach Madeira (Funchal) und Teneriffa (TFS oder TFN) kosten ungefähr gleich viel, wenn du von Mitteleuropa startest, etwa 150 bis 350 Euro hin und zurück, je nach Saison. Aber bei der Unterkunft wird es interessant: Auf Madeira habe ich für ein einfaches Apartment in Funchal 65 Euro pro Nacht bezahlt. Auf Teneriffa findest du vergleichbare Unterkünfte in Puerto de la Cruz oder La Orotava für 45 bis 55 Euro. Der Mietwagen ist auf Teneriffa ebenfalls günstiger, ich zahle etwa 18 Euro pro Tag für einen Kleinwagen, auf Madeira waren es 25.
Ein Punkt, den viele übersehen: Auf Madeira brauchst du fast immer ein Auto, weil die Wanderwege über die ganze Insel verteilt sind und die Busverbindungen in die Berge spärlich sind. Auf Teneriffa kommst du mit den Titsa-Bussen erstaunlich weit, ich bin selbst oft mit dem Bus zum Teide-Nationalpark gefahren, bevor ich ein Auto hatte. Die Linie 348 von Puerto de la Cruz zum Teide kostet 12 Euro und fährt zweimal täglich.
Für geführte Touren liegen die Preise auf beiden Inseln ähnlich: 40 bis 60 Euro pro Person für eine Halbtagestour. Der Unterschied: Auf Teneriffa bekommst du für 50 Euro die Masca-Schlucht-Wanderung mit Transfer. Auf Madeira kostet eine levada-Wanderung etwa 35 bis 45 Euro. Wenn du also mit kleinem Budget reist, ist Teneriffa die günstigere Wahl, vor allem, weil du den Mietwagen weglassen kannst.
Häufig gestellte Fragen
Ist Teneriffa oder Madeira besser für Wanderanfänger?
Madeira ist technisch einfacher, weil die levada-Wege meist flach sind und keine Höhenanpassung erfordern. Teneriffa hat einfache Küstenwege, aber der Teide-Aufstieg ist anspruchsvoll und erfordert eine gute Fitness. Für absolute Anfänger ist Madeira besser geeignet.
Brauche ich eine Genehmigung zum Wandern auf dem Teide?
Ja, für den Aufstieg zum Gipfel (ab 3.555 Metern) benötigst du eine kostenlose Genehmigung, die auf der offiziellen Website des Teide-Nationalparks beantragt wird. Es gibt nur 200 pro Tag. Ohne Genehmigung kannst du nur bis zur Seilbahnstation wandern.
Welche Insel hat das bessere Wetter zum Wandern?
Teneriffa, besonders die Südküste, hat mehr Sonnentage (ca. 300 pro Jahr) und weniger Regen. Madeira ist deutlich feuchter, besonders im Norden. Wenn du zuverlässiges Wetter brauchst, wähle Teneriffa. Wenn dir Regen nichts ausmacht, bietet Madeira mehr grüne Landschaften.
Kann ich auf beiden Inseln im Winter wandern?
Ja, beide Inseln sind ganzjährig wanderbar. Auf Teneriffa kann es auf dem Teide im Winter schneien – ich habe dort schon im Januar Schneewanderungen gemacht. Auf Madeira ist der Winter die regenreichste Zeit, aber die Temperaturen bleiben mild (ca. 15-20 Grad an der Küste).
Welche Insel ist günstiger für einen Wanderurlaub?
Teneriffa ist tendenziell günstiger, besonders bei Unterkünften und Mietwagen. Madeira ist etwas teurer, vor allem in den touristischen Zentren wie Funchal. Die Wanderungen selbst sind auf beiden Inseln kostenlos, aber geführte Touren sind auf Madeira oft teurer.
Welche Insel hat die spektakuläreren Aussichten?
Das ist subjektiv. Teneriffa bietet dramatische Vulkanlandschaften und den Blick über die Wolken vom Teide aus. Madeira bietet grüne Täler, Wasserfälle und die Küste aus der Vogelperspektive. Beide sind beeindruckend, aber auf unterschiedliche Weise. Ich persönlich finde den Teide-Gipfel unübertroffen.
Für wen dieser Vergleich NICHT geeignet ist
Wenn du bereits genau weißt, auf welche Insel du gehst, brauchst du diesen Vergleich nicht. Dies ist für Unentschlossene, die zwischen zwei großartigen Optionen stehen. Wenn du bereits Flüge nach Funchal oder Teneriffa Süd gebucht hast, lies stattdessen unseren Wanderführer für Teneriffa oder informiere dich auf der offiziellen Madeira Tourismus-Website.
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